MYRTLE BONSAI

Der Myrten-Bonsai: Die aromatische Essenz des Mittelmeers

DieMyrte (Myrtus communis) ist die Seele der mediterranen Macchia, insbesondere auf Sardinien. Sie ist ein außergewöhnlicher Bonsaibaum, nicht nur wegen seiner Ästhetik, sondern auch wegen seiner sensorischen Erfahrung: Man muss nur das Laub streichen, um von einem intensiven balsamischen Duft umhüllt zu werden. Mit seiner abblätternden Rinde, die zimtfarbenes Holz, weiße Blüten mit vielen Staubgefäßen und dunkle Beeren zum Vorschein bringt, ist er zu jeder Jahreszeit interessant. Sie ist eine großzügige Pflanze, die jedoch auf Wasserqualität und Klima achten muss.

Herkunft und Arten: Welche Myrte soll man wählen?

Die aus dem Mittelmeerraum stammende Myrte ist ein immergrüner Strauch. Beim Bonsai ist es wichtig, zwischen verschiedenen Sorten zu unterscheiden, da nicht alle gleich reagieren:
Myrtus Communis (Typusart): Hat größere Blätter und lange Internodien. Weniger geeignet für kleine Bonsai (Shohin), besser für größere Formate.
Sorte 'Tarentina': Sie ist die Königin der Bonsai. Sie hat sehr kleine Blätter, kurze Internodien und einen natürlich kompakten Wuchs. Sie blüht sehr üppig und trägt weiße oder schwarze Beeren.
Sorten 'Microphylla' oder 'Pumila': Oft kommerzielle Synonyme von Tarentina oder ähnlichen kleinwüchsigen Sorten. Sie eignen sich am besten, um in kurzer Zeit eine dichte und proportionale Verzweigung zu erhalten.

Exposition und Mikroklima

Die Myrte liebt volle Sonne. Helles Licht ist das Geheimnis für eine üppige Blüte und einen kompakten Wuchs (vor allem bei Tarentina).
Die Wurzeln in Töpfen fürchten jedoch übermäßige Hitze. Im Hochsommer, in den heißesten Gebieten, hilft es, den Topf zu schattieren oder die Pflanze am Nachmittag in den Halbschatten zu stellen, um Trockenheit zu vermeiden.

Gießen

Im Gegensatz zu anderen mediterranen Pflanzen, wie z. B. der Olive, verträgt die Myrte im Topf keine anhaltende Trockenheit. Wenn die Erde zu sehr austrocknet, bricht die Pflanze schnell zusammen.
Gießen Sie regelmäßig, sobald die Bodenoberfläche abgetrocknet ist. Im Sommer kann es sein, dass Sie jeden Tag gießen müssen. Achten Sie jedoch auf Staunässe: Die Feinwurzeln verfaulen, wenn sie zu nass werden.

Wasserqualität

Die Myrte neigt dazu, kalkhaltig zu sein (sie hasst Kalk).
Die ständige Verwendung von hartem Leitungswasser führt zu Eisenchlorose (gelbe Blätter). Verwenden Sie Regenwasser oder lassen Sie das Leitungswasser dekantieren. Geben Sie regelmäßig Eisenchelat, um das Laub zu begrünen.

Substrat

Bevorzugt einen leicht sauren oder neutralen, frischen und durchlässigen Boden.

  • Empfohlene Mischung: 40% Akadama, 40% Kanuma (oder saurer Blondtorf) und 20% Bimsstein.
  • Die Zugabe von Kanuma oder saurem Substrat hilft, Kalkprobleme zu vermeiden und die Nährstoffaufnahme zu verbessern.

Umtopfen

Das Umtopfen erfolgt im Frühjahr (März-April), alle 2-3 Jahre.
Die Myrte hat ein dichtes, kapillares Wurzelsystem. Kämmen Sie beim Umtopfen die Wurzeln sanft durch und schneiden Sie sie nie stark zurück (maximal 30 %). Wenn Sie zu stark zurückschneiden, kann die Pflanze verkümmern oder die Zweige können vertrocknen.

Düngung

Düngen Sie von Frühjahr bis Herbst mit organischem Dünger.
Um die Blütenbildung zu fördern, sollten Sie vor dem Sommer einen Dünger mit mehr Phosphor und Kalium verwenden. Die Verwendung spezieller Dünger für säureliebende Pflanzen ist eine gute Strategie, um das Laub dunkelgrün zu halten.

Blüte und Fruchtbildung

Die Blüten erscheinen im späten Frühjahr/Sommer: Sie sind weiß, duftend und haben lange Staubgefäße.
Darauf folgen die Beeren (je nach Sorte schwarz oder weiß), die im Herbst/Winter reifen. Sie sind essbar und sehr dekorativ, verbrauchen aber Energie: bei wachsenden Pflanzen ist es besser, sie zu entfernen.

Strukturierter Rückschnitt

Ein starker Rückschnitt wird am Ende des Winters durchgeführt. Das Holz der Myrte ist sehr hart und spröde.
Die Pflanze neigt dazu, ihren Saft abzuziehen, wenn der Schnitt nicht sauber und ordentlich ist. Verwenden Sie stets scharfe Werkzeuge und decken Sie die Schnittwunden sofort mit Heilkitt ab.

Pflegeschnitt

Während der Wachstumsperiode wächst die Pflanze (vor allem Tarentina), indem sie kompakte "Polster" bildet. Es ist notwendig, das Innere des Laubes regelmäßig zu beschneiden, um Licht und Luft durchzulassen, da sonst die inneren Zweige austrocknen und sich die Cochenille einnisten kann.

Beschneiden

Dieser wird an den neuen grünen Trieben vorgenommen. Sobald sie über die gewünschte Form hinauswachsen, schneidet man sie mit einer Schere oder den Fingern ab, wobei 2 Blattpaare stehen bleiben. Dadurch wird die Pflanze angeregt, aus den rückwärtigen Knospen neu zu beginnen und die Vegetation zu verdichten.

Binden und Falten

Vorsicht! Alte Myrtenzweige sind steif wie Glas und brechen ohne Vorwarnung.
Das Anbinden sollte nur an jungen, grünen Zweigen erfolgen. Die Rinde reifer Äste blättert von selbst ab (dies ist ein ästhetisches Merkmal, keine Krankheit), so dass der Draht diesen Prozess stören oder die darunter liegende, sehr zarte Rinde abschneiden könnte.

Krankheiten und Schädlinge

  • Cochenille: Der Feind Nummer eins. Er versteckt sich in der dichten Vegetation der Sorte Tarentina. Kontrollieren Sie häufig das Innere.
  • Blattläuse: An den Blütenknospen.
  • Eisenchlorose: Verblassen der Blätter aufgrund von Kalkwasser.

Winter & Schutz

Keine Alpenpflanze. Im Süden lebt sie das ganze Jahr über im Freien. Im Norden und in der Mitte sollte sie in einem kalten Gewächshaus geschützt werden, wenn die Temperaturen unter den Nullpunkt fallen. Sie fürchtet starke Fröste, die die feinen Zweige verbrennen können.

Jahreskalender

  • Januar-Februar: Ruhezeit, Reinigung trockener Zweige.
  • März: Umtopfen (mit saurer Erde).
  • April-Mai: Düngen, Vorbeugung gegen Cochenille.
  • Juni-Juli: Blütezeit, häufiges Gießen.
  • August: Halbschatten während der warmen Stunden.
  • September-Oktober: Beeren, Herbstdüngung.
  • November-Dezember: Schutz vor Frost.

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Häufig gestellte Fragen zur Myrte

Welche Sorte ist für den Anfang am besten geeignet?
Zweifellos die Sorte Tarentina (oder Microphylla). Mit ihren von Natur aus winzigen Blättern und sehr kurzen Internodien sieht sie schon in jungen Jahren wie ein 'fertiger' Bonsai aus und lässt sich viel leichter aufstellen als die gewöhnliche breitblättrige Myrte.

Warum werden die Blätter gelb, aber die Adern bleiben grün?
Das ist ein klares Symptom für Eisenchlorose. Sie verwenden zu viel Kalkwasser oder der Boden ist nicht mehr sauer. Verwenden Sie sofort Eisenchelat und gießen Sie, wenn möglich, mit Regenwasser oder demineralisiertem Wasser.

Die Rinde schält sich in Streifen ab, ist sie krank?
Nein, im Gegenteil! Das ist ein wertvolles Merkmal der reifen Myrte. Die alte Rinde blättert ab und gibt den Blick auf ein glattes, cremefarbenes oder zimtfarbenes Holz frei. Schälen Sie die Rinde nicht mit Gewalt ab, sondern lassen Sie sie natürlich abfallen.